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Jetzt gründen? Oder warten?

Die Corona-Pandemie hält die Welt seit Wochen in Atem. Das öffentliche Leben ist in vielen Ländern spürbar eingeschränkt, viele Menschen sind in Kurzarbeit und kleine Unternehmen bangen um ihr Überleben. Unter solchen Bedingungen fragen sich zahlreiche Menschen, die vor der Grüdung eines eigenen Unternehmens stehen, ob sie überhaupt Anstrengungen unternehmen sollen, um ihr eigenes Geschäft auf die Beine zu stellen.

Ich habe mich mit einem Unternehmensberater in Videokonferenz getroffen, der sich im Speziellen mit Kleinunternehmen und Existenzgründern auskennt. Dr. Holger Hupfer, Inhaber des energetischen Beratungsunternehmens Acht Zeichen (XING-Profil), hilft Existenzgründern auf vielfältige Weise, so beispielsweise mit der Unterstützung in Vertrieb und Marketing, aber auch bereits dabei, wenn es um den richtigen Außenauftritt in Form des Logos oder um die Erstellung des Businessplans geht. Für das Interviewformat „5 Fragen – 5 Antworten“ hat er für uns Stellung zum Thema „Gründen in der Krise“ genommen und seine Gedanken mit uns und unseren Lesern geteilt.

JSW: Herr Dr. Hupfer, zunächst möchte ich Ihnen danken, dass Sie sich die Zeit für dieses Interview nehmen. Fünf Fragen zu einem Brennpunktthema für Jungunternehmer, die jetzt in der Coronakrise natürlich stark verunsichert sind.

HH: Keine Ursache. Ich freue mich auf unser Gespräch, um den Menschen, die am Beginn einer unternehmerischen Herausforderung stehen, Hilfestellung zu geben und ihnen – hoffentlich – etwas mehr Sicherheit zu geben.

JSW: Wie erleben Sie momentan die aktuelle Situation mit all den Einschränkungen, die unser Leben vollständig aus der Bahn geworfen haben?

HH: Zur Zeit geht es in meinem Umfeld vor allem darum, gesund zu bleiben. Das ist auch für mich und meine Familie das Wichtigste. Beruflich gesehen ist ein deutlicher Rückgang nach Unternehmensberatung zu verzeichnen. Selbstverständlich sind die Herausforderungen in den Unternehmen immer noch die gleichen wie vor der Krise. Was sich jedoch verändert hat, ist meiner Ansicht nach, dass viele, auch etablierte Unternehmen, eine sehr große Unsicherheit bezüglich der Zukunft haben. In vielen Unternehmen läuft zwar noch die Produktion, Folgeaufträge bleiben hingegen aus. Vor diesem Hintergrund scheuen die Unternehmen vor Investitionen und notwendigen Korrekturmaßnahmen zurück.

JSW: Worauf achten Sie selbst?

HH: Wie ich schon sagte, das Wichtigste ist momentan, gesund zu bleiben. Kein unnötiges Risiko für sich, die Menschen im engsten Umfeld und Andere einzugehen. Die Aktivitäten in der Freizeit haben sich naturgemäß sehr stark reduziert. Treffen mit Freunden, Ausflüge mit der Familie oder ähnliche Aktivitäten wurden abgelöst durch Spaziergänge in der nächsten Umgebung und die Beschäftigung im Garten.

Auch bei den beruflichen Aktivitäten, insbesondere das Coaching von Bewerbern, hat sich ein Umdenken ergeben. Statt persönlihes Face-to-face-Coaching gibt es jetzt Telefon- und Videocoachings. Aber die Menschen sind durchaus alle verständnisvoll und freuen sich, dass in alternativer Form trotzdem ein Angebot für sie besteht.

JSW: Wie beurteilen Sie die Chancen für Unternehmen, speziell für kleine Firmen?

HH: Ich denke, dass vor allem die kleinen Firmen einem massiven Druck ausgesetzt sind. In vielen Unternehmen laufen ja die Fixkosten weiter, ohne dass aber wieder nennenswerte Umsätze generiert werden. Ich finde es gut, dass so viele Unternehmen in den am stärksten eingeschränkten Branchen wie Gastronomie oder Buchhandel, sehr schnell reagiert haben und neue Geschäftsmodell quasi über Nacht ausprobiert haben. Der Lieferservice von Gaststätten und Restaurants zum Beispiel oder die kurzzeitige Vermietung von Hotelzimmern für drei bis sechs Monate zum Beispiel standen mit Sicherheit vorher überhaupt nicht zur Disposition für die betroffenen Unternehmen. Vor diesem Hintergrund mildern sich die Auswirkungen der Coronakrise vielleicht wieder etwas ab. Der Gesamtschaden, den die Wirtschaft in Deutschland und Europa erleidet, ist wahrscheinlich noch lange nicht genau zu beziffern. Bis wir wieder zur Normalität, wenn es diese dann noch gibt, zurückkehren, werden die Unternehmen nach wie vor sehr hart um das Vertrauen von Kunden und damit um Aufträge ringen müssen.

Unternehmen können die Krise aber auch als Chance begreifen und jetzt systematisch die Schwachstellen bearbeiten, die aufgrund des Tagesgeschäfts oft hintenan gestellt wurden. Ich kann dabei mur den Appell an alle Unternehmer richten: Nehmen Sie sich jetzt die Zeit, alle Prozesse, Liefer- und Absatzketten und so weiter zu analysieren. Nutzen Sie die Möglichkeit, zukunfts- und krisenfeste Geschäftsmodelle zu entwickeln oder auszubauen. Die aktuelle Situation kann auch für Ihr Unternehmen eine Art Katalysator für die notwendige Digitalisierung sein. Wir sehen in vielen Unternehmen bereits eine deutlich höhere Bereitschaft für Formen des „New Work“, mehr Flexibilität für die Vereinbarung von Beruf und Familie etc. Gleichzeitig stärken die Unternehmen auch die digitale Sicherheit für Arbeitsabläufe, die, konsequent ausgebaut, sich zukünftig positiv für die Unternehmen auswirken wird. Insgesamt werden viele Unternehmen, die die Zeit jetzt nutzen, um sich neu aufzustellen, gestärkt und besser für die zukünftigen Herausforderungen gerüstet aus der Krise hervorgehen.

JSW: Alle Punkte, die Sie jetzt angeführt haben, betreffen ja Unternehmen, die bereits am Markt sind oder zumindest waren. Welche Tipps können Sie Existenzgründern momentan geben? Worauf ist besonders zu achten?

HH: Existenzgründer haben oft leider noch nicht die Erfahrungswerte, über die etablierte Unternehmen bereits verfügen. Gründer benötigen, je nach der Phase der Existenzgründung, in der sie sich gerade befinden, unterschiedliche Tipps. Existenzgrnder, die mitten im Gründungsprozess stehen, sollten damit beginnen, ihr Geschäftsmodell grundlegend zu überarbeiten. Zunächst kommt es in der ersten ökonomischen Phase darauf an, sich und das geplante Business zu organisieren. Die Krise bringt, wie bereits angedeutet, viele neue Ideen hervor, wie ein geplantes Geschäftsmodell an die aktuellen Bedürfnisse vieler Menschen angepasst oder ergänzt werden kann.

Gründer, die noch nicht mit der Gründung begonnen haben, sollten sich überlegen, ob sie dazu beitragen können, bestimmte Problemstellungen, die in der Krise auftreten, effektiv lösen zu können. Dann gilt es: Volle Kraft voraus! In anderen Fällen sollte über einen Aufschub der Gründung nachgedacht werden. Ein neues Restaurant oder einen Beautysalon aufzumachen, ist jetzt einfach nicht möglich und der falsche Zeitpunkt dafür.

JSW: Zusammengefast also: Erst sehen, wie das Unternehmen dasteht, um danach zu prüfen, wie trotz der Einschränkungen Geld verdient werden kann. Wie bewerten Sie den weiteren Fortgang der Krise. Wann sehen Sie eine Entspannung der Lage?

HH: Ich möchte noch einmal kurz auf Ihre Zusammenfassung zurückkommen. Erst die Unternehmensanalyse, das ist richtig, danach geht es zwar ums Geldverdienen, allerdings geht es um sinnvolles und moralisches Geldverdienen. Es geht nicht darum, das gehortete Toilettenpapier überteuert bei Ebay oder anderen Internetplattformen zu verkaufen. Es geht um die Prüfung, mit den Herausforderungen der Krise und der eigenen geplanten Geschäftsidee eine möglichst große Übereinstimmung herzustellen. Denkbar wäre vielleicht auch eine nebenberufliche Gründung.

Nun zu Ihrer Frage nach der Entspannung der Lage: Ich wünschte, darauf eine Antwort haben zu können. Wir müssen momentan auf die Experten vertrauen, die mit Weitblick zum richtigen Zeitpunkt die Beschränkungen wieder zurücknehmen (lassen). Wichtig sind meiner Meinung nach weder übereilte Lockerungen, wie sie beispielsweise in Amerika ganz offen diskutiert werden. Dabei steckt das Land noch mitten in der Coronaepidemie. Noch sind Lähmung und Angststarre angebracht, die sich schnell aufgrund der unsicheren Zukunft breit machen könnten. Wir sollten alle, die in der Wirtschaft Verantwortung tragen, tatkräftig unterstützen und die Chancen, die sich durch die Krise ergeben erkennen, nutzen und gleichzeitigunseren Mitmenschen helfen.

JSW: Danke, Herr Dr. Hupfer, für das Gespräch.

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